CeresAward 2021: „Eine der schönsten landwirtschaftlichen Erfolgsgeschichten“

Der Hauptpreis beim CeresAward geht in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge an einen Naturland Betrieb. Bei der Galaveranstaltung „Nacht der Landwirtschaft“ im Berliner Zoo Palast wurde Christoph Leiders vom Stautenhof im nordrhein-westfälischen Willich-Anrath zum „Landwirt des Jahres 2021“ gekürt. Der Betrieb ist Mitglied bei Naturland und bei Bioland. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen der Branche.

Seit der Umstellung auf Bio vor über 20 Jahren schreibe Leiders mit seiner Familie „eine der schönsten landwirtschaftlichen Erfolgsgeschichten“, heißt es in der Begründung der Jury. Auf dem Stautenhof könne man „in Backstube, Bistro Metzgerei und Hofladen schmecken und sehen, wie gute Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft zusammenhängen“. Dazu komme ein vorbildliches Gesundheitsmanagement auf dem Familienbetrieb mit insgesamt 60 Mitarbeitern.

„Wir freuen uns, dass unser nachhaltiges Stautenhof-Konzept für uns alle – die Kunden, die Mitarbeiter und die Familie – aufgeht“, sagte der Öko-Landwirt. Christoph Leiders hatte den Stautenhof bereits 1997 auf ökologische Bewirtschaftung nach Naturland Richtlinien umgestellt, damals noch mit Schwerpunkt auf Ackerbau und Schweinehaltung. Über die Jahre kamen dann Legehennen, Masthähnchen, Puten sowie eine Mutterkuh-Herde dazu.

Der CeresAward wird jährlich von agrarheute verliehen, dem überregionalen Fachmagazin aus dem Deutschen Landwirtschaftsverlag.

Bildnachweis: agrarheute

Naturland und PROVIEH – gemeinsam für mehr Tierwohl

Naturland und PROVIEH fordern alle im neuen Bundestag vertretenen Parteien auf, sich für einen Umbau der Nutztierhaltung einzusetzen. „Egal wer nun die neue Bundesregierung bildet, der Umbau der Nutztierhaltung muss im Koalitionsvertrag eine zentrale Rolle einnehmen“, fordern Naturland Präsident Hubert Heigl und Valerie Maus, Vorstandsvorsitzende von PROVIEH.

Damit der Umbau gelingen kann, muss die nächste Bundesregierung vor allem zwei Dinge sicherstellen: Echte Transparenz für die Verbraucher:innen, wodurch sie sich beim Einkauf für Produkte aus artgerechter Tierhaltung entscheiden können; und langfristige Zukunftsperspektiven für die Betriebe, damit diese in mehr Tierwohl investieren können.

Die notwendigen Pläne dafür liegen nach Ansicht von Naturland Präsident Heigl längst auf dem Tisch: „Die Borchert-Kommission hat quasi einen Masterplan zum Umbau der Nutztierhaltung entwickelt, inklusive eines innovativen Fördersystems, das Anreize setzt und die nötige Finanzierung sichert“, sagt Heigl, der als Vertreter des Öko-Landbaus selbst Mitglied der Kommission war: “ Die Pläne liegen vor, sie müssen jetzt aber auch umgesetzt werden“, unterstreicht Heigl.

Damit Verbraucher:innen Produkte aus artgerechter Haltung auch zuverlässig erkennen und sich bewusst dafür entscheiden können, starten Naturland und PROVIEH heute eine gemeinsame Kampagne. Ziel ist die Einführung einer verpflichtenden Haltungskennzeichnung für alle tierischen Produkte, im Bund und auf EU-Ebene.

Öko-Wurst in der Plastikpackung?

Plastikmüll in den Meeren und Mikroplastik überall: Mancher Liebhaber von Landfrau-Wurst hat sich wahrscheinlich schon gefragt, warum sie trotzdem  immer noch in Kunststofffolie verpackt wird. Fleisch und Wurst sind hochempfindlich und brauchen für Transport und Lagerung eine Umhüllung, die die Hygienevorschriften erfüllt und Lebensmittelverschwendung durch vorzeitiges Verderben verhindert. Diese Ansprüche erfüllen momentan nur Verbundfolien, die aus mehreren dünnen Schichten unterschiedlicher Kunststoffe bestehen. Der Nachteil dieser Verbunde ist, dass sie nicht recycelt werden können. In der Regel werden diese Verpackungen zur Erzeugung von Strom und Wärme verbrannt. In München werden sie deshalb, anders als in anderen Gemeinden, auch nicht separat in Gelben Tonnen oder Gelben Säcken gesammelt.

Unsere Richtschnur im Umgang mit Verpackungen ist die Europäische Plastikstrategie: Im Kampf gegen die Plastikflut stehen an erster Stelle Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling. Erst dann kommen Verwertung (Verbrennen oder Kompostieren) und Beseitigung (Deponieren).

Nur wenige Einzelhändler sind dafür ausgestattet, zur Abfallvermeidung Wurst und Fleisch offen oder in mitgebrachte Behälter zu verkaufen. Als Hersteller bemüht sich die Landfrau deshalb, das Müllaufkommen abhängig von den Erfordernissen des jeweiligen Produktes zu reduzieren: Wurst im Kunstdarm (wie Gelbwurst, Feine Leberwurst) wird gegen den anfänglichen Widerstand der Behörden ohne zusätzliche Umhüllung angeboten. Salamis am Stück und Bierstangerl haben einen Griffschutz aus Cellophan (Zellstoff), der mit dem Altpapier entsorgt werden kann. Knacker, Hausmacher Leberwurst und Leberkäse sowie Aufschnitt und Würstel werden vorläufig noch in Verbundfolien verpackt. Die weiße Unterfolie besteht dabei zum größten Teil aus PET-Recyclingmaterial. Durch die Verwendung dünnerer Folien konnten wir das Gewicht der Tiefziehschalen von 16 g auf 10 g reduzieren. Unser Lieferant von Vakuumbeuteln stellt inzwischen ein kleines Sortiment an Beuteln aus Mono-PP her, die recycelt werden können. Ab Anfang April setzen wir diese ein, soweit passende Größen zur Verfügung stehen. Den um 100% höheren Preis nehmen wir in Kauf.

Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sehen wir derzeit kritisch. Der Ersatz von aus Erdöl hergestelltem Kunststoff durch „Bioplastik“ widerspricht dem Prinzip von Abfallvermeidung und Recycling und benötigt Ackerflächen, auf denen sonst Pflanzen für die menschliche Ernährung angebaut werden könnten. Derzeit verfügbare kompostierbare Beutel stören das Recycling und dürfen nicht in die Biotonne, weil sie sich in den Kompostieranlagen nicht zersetzen. Sie haben außerdem noch nicht die notwendigen Barriereeigenschaften, um darin Wurst oder Fleisch verpacken zu können.

Erklärtes Ziel der Landfrau ist, zunächst durch den Einsatz von Papierverbunden und Monomaterialien die Recyclingquote zu erhöhen. 2016 wurden nach Angaben des Umweltbundesamtes rund 44,4 Millionen Tonnen Abfall verbrannt, darin enthalten fast 70 % des gesamten Plastikabfalls. Immerhin noch fast 17 Prozent des Abfalls wurden auf Deponien entsorgt. Und mehr als 15 Prozent des Plastikmülls – mehrere hunderttausend Tonnen – aus Deutschland wurden exportiert.

Recyclingkunststoffe tragen signifikant zum Klimaschutz bei. Laut einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik können durch den Einsatz von Recyclingkunststoffen bis zu 60 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zur Verwendung von Neugranulat aus Rohöl eingespart werden.

Die Landfrau steht deshalb in engem Kontakt mit Folienherstellern und Maschinenbauern. Für eine bessere Recyclingfähigkeit der Verpackung  ist es unerlässlich, dass sich ihre Bestandteile einwandfrei voneinander trennen lassen, z. B. in Papierschale und Kunststoffumhüllung. Außerdem sollte der Kunststoffanteil nur aus einer Kunststoffsorte bestehen, wie z. B. Polypropylen (PP), für das es bereits ein bewährtes Recyclingverfahren gibt. Zudem muss die Mindesthaltbarkeit der Wurst auch bei der Verwendung von alternativen Verpackungen gewährleistet sein. Das erfordert Verpackungs- und Lagerversuche, Laboruntersuchungen und das Testen neuer Verpackungsmaschinen. Trotzdem sind wir zuversichtlich, dass wir unseren Beitrag zur Verringerung des Plastikmülls leisten können.

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