Naturland und PROVIEH – gemeinsam für mehr Tierwohl

Naturland und PROVIEH fordern alle im neuen Bundestag vertretenen Parteien auf, sich für einen Umbau der Nutztierhaltung einzusetzen. „Egal wer nun die neue Bundesregierung bildet, der Umbau der Nutztierhaltung muss im Koalitionsvertrag eine zentrale Rolle einnehmen“, fordern Naturland Präsident Hubert Heigl und Valerie Maus, Vorstandsvorsitzende von PROVIEH.

Damit der Umbau gelingen kann, muss die nächste Bundesregierung vor allem zwei Dinge sicherstellen: Echte Transparenz für die Verbraucher:innen, wodurch sie sich beim Einkauf für Produkte aus artgerechter Tierhaltung entscheiden können; und langfristige Zukunftsperspektiven für die Betriebe, damit diese in mehr Tierwohl investieren können.

Die notwendigen Pläne dafür liegen nach Ansicht von Naturland Präsident Heigl längst auf dem Tisch: „Die Borchert-Kommission hat quasi einen Masterplan zum Umbau der Nutztierhaltung entwickelt, inklusive eines innovativen Fördersystems, das Anreize setzt und die nötige Finanzierung sichert“, sagt Heigl, der als Vertreter des Öko-Landbaus selbst Mitglied der Kommission war: “ Die Pläne liegen vor, sie müssen jetzt aber auch umgesetzt werden“, unterstreicht Heigl.

Damit Verbraucher:innen Produkte aus artgerechter Haltung auch zuverlässig erkennen und sich bewusst dafür entscheiden können, starten Naturland und PROVIEH heute eine gemeinsame Kampagne. Ziel ist die Einführung einer verpflichtenden Haltungskennzeichnung für alle tierischen Produkte, im Bund und auf EU-Ebene.




Öko-Wurst in der Plastikpackung?

Plastikmüll in den Meeren und Mikroplastik überall: Mancher Liebhaber von Landfrau-Wurst hat sich wahrscheinlich schon gefragt, warum sie trotzdem  immer noch in Kunststofffolie verpackt wird. Fleisch und Wurst sind hochempfindlich und brauchen für Transport und Lagerung eine Umhüllung, die die Hygienevorschriften erfüllt und Lebensmittelverschwendung durch vorzeitiges Verderben verhindert. Diese Ansprüche erfüllen momentan nur Verbundfolien, die aus mehreren dünnen Schichten unterschiedlicher Kunststoffe bestehen. Der Nachteil dieser Verbunde ist, dass sie nicht recycelt werden können. In der Regel werden diese Verpackungen zur Erzeugung von Strom und Wärme verbrannt. In München werden sie deshalb, anders als in anderen Gemeinden, auch nicht separat in Gelben Tonnen oder Gelben Säcken gesammelt.

Unsere Richtschnur im Umgang mit Verpackungen ist die Europäische Plastikstrategie: Im Kampf gegen die Plastikflut stehen an erster Stelle Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling. Erst dann kommen Verwertung (Verbrennen oder Kompostieren) und Beseitigung (Deponieren).

Nur wenige Einzelhändler sind dafür ausgestattet, zur Abfallvermeidung Wurst und Fleisch offen oder in mitgebrachte Behälter zu verkaufen. Als Hersteller bemüht sich die Landfrau deshalb, das Müllaufkommen abhängig von den Erfordernissen des jeweiligen Produktes zu reduzieren: Wurst im Kunstdarm (wie Gelbwurst, Feine Leberwurst) wird gegen den anfänglichen Widerstand der Behörden ohne zusätzliche Umhüllung angeboten. Salamis am Stück und Bierstangerl haben einen Griffschutz aus Cellophan (Zellstoff), der mit dem Altpapier entsorgt werden kann. Knacker, Hausmacher Leberwurst und Leberkäse sowie Aufschnitt und Würstel werden vorläufig noch in Verbundfolien verpackt. Die weiße Unterfolie besteht dabei zum größten Teil aus PET-Recyclingmaterial. Durch die Verwendung dünnerer Folien konnten wir das Gewicht der Tiefziehschalen von 16 g auf 10 g reduzieren. Unser Lieferant von Vakuumbeuteln stellt inzwischen ein kleines Sortiment an Beuteln aus Mono-PP her, die recycelt werden können. Ab Anfang April setzen wir diese ein, soweit passende Größen zur Verfügung stehen. Den um 100% höheren Preis nehmen wir in Kauf.

Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sehen wir derzeit kritisch. Der Ersatz von aus Erdöl hergestelltem Kunststoff durch „Bioplastik“ widerspricht dem Prinzip von Abfallvermeidung und Recycling und benötigt Ackerflächen, auf denen sonst Pflanzen für die menschliche Ernährung angebaut werden könnten. Derzeit verfügbare kompostierbare Beutel stören das Recycling und dürfen nicht in die Biotonne, weil sie sich in den Kompostieranlagen nicht zersetzen. Sie haben außerdem noch nicht die notwendigen Barriereeigenschaften, um darin Wurst oder Fleisch verpacken zu können.

Erklärtes Ziel der Landfrau ist, zunächst durch den Einsatz von Papierverbunden und Monomaterialien die Recyclingquote zu erhöhen. 2016 wurden nach Angaben des Umweltbundesamtes rund 44,4 Millionen Tonnen Abfall verbrannt, darin enthalten fast 70 % des gesamten Plastikabfalls. Immerhin noch fast 17 Prozent des Abfalls wurden auf Deponien entsorgt. Und mehr als 15 Prozent des Plastikmülls – mehrere hunderttausend Tonnen – aus Deutschland wurden exportiert.

Recyclingkunststoffe tragen signifikant zum Klimaschutz bei. Laut einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik können durch den Einsatz von Recyclingkunststoffen bis zu 60 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zur Verwendung von Neugranulat aus Rohöl eingespart werden.

Die Landfrau steht deshalb in engem Kontakt mit Folienherstellern und Maschinenbauern. Für eine bessere Recyclingfähigkeit der Verpackung  ist es unerlässlich, dass sich ihre Bestandteile einwandfrei voneinander trennen lassen, z. B. in Papierschale und Kunststoffumhüllung. Außerdem sollte der Kunststoffanteil nur aus einer Kunststoffsorte bestehen, wie z. B. Polypropylen (PP), für das es bereits ein bewährtes Recyclingverfahren gibt. Zudem muss die Mindesthaltbarkeit der Wurst auch bei der Verwendung von alternativen Verpackungen gewährleistet sein. Das erfordert Verpackungs- und Lagerversuche, Laboruntersuchungen und das Testen neuer Verpackungsmaschinen. Trotzdem sind wir zuversichtlich, dass wir unseren Beitrag zur Verringerung des Plastikmülls leisten können.




Bayerischer Tierschutzpreis geht an Naturland Betrieb Mayr aus Riegsee

Der Naturland Betrieb von Familie Mayr aus Riegsee im Landkreis Garmisch-Partenkirchen erhält den diesjährigen Tierschutzpreis der Bayerischen Staatsregierung. Der Öko-Betrieb wird damit für seine besonderen Verdienste um den Tierschutz in der Nutztierhaltung geehrt.
Vor sieben Jahren stellte Georg Mayr zusammen mit seiner Familie den Betrieb von konventioneller Milchviehhaltung auf ökologische Ochsenmast nach Naturland Richtlinien um. Die Beweggründe für die Umstellung erklärt Mayr so: „Konventionelle Mast war für mich einfach keine Option. Nachdem ich erkannt hatte, dass das System Milch für mich keine Perspektive bietet, war ich auf der Suche nach ökologischen Alternativen.“ Die Umstellung auf Öko-Ochsenmast sei für ihn genau der richtige Weg hin zu einem zukunftsgerichteten Betrieb gewesen.

Da viele Öko-Milchviehbetriebe in seiner Nachbarschaft nicht wussten, wohin mit ihren männlichen Kälbern, keimte in Georg Mayr eine Idee. Er beschloss 2012, die männlichen Milchkälber zu kaufen, sie mit Ammen auf der Weide aufzuziehen und sie als Bio-Ochsen an die regionale Gastronomie zu vermarkten. Eine Win-Win-Situation für Tier und Mensch, denn Kälber und Ochsen haben keine langen Transportwege und Mayr zahlt den Milchviehbetrieben einen Preis weit über den sonst üblichen Kälberpreisen. Neben Fleckvieh-Kälbern ziehen Mayrs auch Murnau-Werdenfelser auf, eine vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse.
Um die Vermarktung der Tiere an die Gastronomie anzukurbeln, entwickelte Georg Mayr eine eigene regionale Marke. „Mir war wichtig, die Produkte unter meiner neu geschaffenen Eigenmarke „Riegseer Weideochs“ zu vermarkten“, erinnert sich Mayr. „Damit entsteht eine hohe Identifikation mit der Region, meinem Betrieb und meinen Tieren. Dieser Mehrwert spielt bei der Vermarktung an die Gastronomie eine wichtige Rolle.“

Als einziger Landwirt wurde Georg Mayr zusammen mit vier weiteren Preisträgerinnen und Preisträgern nun mit dem Bayerischen Tierschutzpreis ausgezeichnet. Der mit insgesamt 12.000 Euro dotierte Preis wird jährlich vom Bayerischen Umweltministerium an Organisationen und Einzelpersonen verliehen, die sich in herausragender Weise um den Tierschutz verdient machen. Umweltminister Thorsten Glauber konnte die Preisträger*innen in diesem Jahr leider nicht persönlich empfangen, lobt aber das außerordentliche Engagement jedes Einzelnen: „Der Einsatz für den Tierschutz hat in Bayern viele Facetten. Unsere diesjährigen Preisträger zeigen die große Bandbreite täglich gelebten Engagements für Tiere: von der Pflege verletzter heimischer Wildtiere, Greifvögel oder von als Haustieren gehaltenen Reptilien, über die Versorgung ehemaliger Hobby- und Sportpferde, bis hin zur verantwortungsvollen landwirtschaftlichen Nutztierhaltung. Alle Preisträger sind ein Vorbild für den Tierschutz in Bayern. Der Bayerische Tierschutzpreis ist eine besondere Ehrung und das Dankeschön des Freistaats für gelebtes Verantwortungsgefühl und herausragenden Einsatz im Tierschutz.“